Theater:
Em(a)il für dich
Die „alten Hasen“ haben es allen gezeigt…
VON
CHARLY HAFNER
Allen den über 200 Besuchern des diesjährigen Theaterabends, in der Gemeindehalle Wannweil, am 14. Januar 2017, haben es diesmal die „alten Theaterhasen“ so richtig gezeigt. Aus Ausbildungs- oder Studiums Gründen konnte nur mit sechs der älteren
Akteure besetzt werden. Von den jungen Nachwuchs-Laienspielern war diesmal
keiner dabei. Braucht eine fetzige Komödie mehr als sechs
Darsteller? Gibt es für sechs ein gutes Stück und eine ernsthafte Handlung? Geht es vielleicht noch besser ohne eine solche?
Mutig haben es die Akteure und die Regisseurin
Gabi Eisele der Theatergruppe des Schwäbischen Albvereins Trochtelfingen bei dem Possenspiel „Emil für
Dich“, ein Schwank in drei Akten von Ute
Tretter-Schlicker, darauf ankommen
lassen. Übrigens die
Theatergruppe war zum neuntel Male vom SV Wannweil engagiert. Und die
Eintrittskarten waren bereits im November letzten Jahres ausverkauft. Qualität
und Spielwitz dieser Theatercrew haben sich eben herumgesprochen und sind
deshalb Jahr für Jahr gefragt, nicht nur bei Hiesigen.
Und
der Tenor der Zuschauer: „Das war grandios, das war dieses Jahr die beste aller
bisherigen Vorstellungen“. Aber von vorne. Um
17.30 Uhr war Einlass und bis zum Beginn um 19 Uhr konnte bereits unter anderem
Paniertes Schnitzel und Saiten mit Kartoffelsalat und belegte Brötchen,
bestellt und verzehrt werden. Für Speis und Trank wurde bestens vom Küchen– und
Bedienungs-Personal des Sportvereins
Wannweil gesorgt. Pünktlich um 19 Uhr
öffnete sich der Vorhang. Da wusste noch niemand im Publikum,
dass die Aufführung, unterbrochen von
zwei Pausen, um die dreieinhalb Stunden dauern sollte. Sitzleder war gefragt und vor allem stabile Lachmuskeln und ein strapazierfähiges
Zwerchfell. Wie gesagt, eine so richtige klassische
Theaterhandlung, wie man sie sonst so erwarten kann, hatte die Aufführung
nicht. Die Handlung kann und soll deshalb auch nicht weiter
differenziert beschrieben werden. Im Kurzstil: Das Pension-Ehepaar Ursel (Anja
Müh) und Thomas (André Schiffer) möchten mal ein paar Tage den Betrieb
schließen, Urlaub machen und für Nachwuchs arbeiten. Mit Entsetzen für Ursel kündigt Thomas an,
dass seine Mutter Gertrude (Sabine Hack) einige Tage kommen
wird. Man muss wissen, dass er von seiner „besten Mutter der
Welt“ nur so schwärmt, eben ein Muttersöhnchen. Schwiegermama Gertrude ist schlichtweg der Alptraum jeder
Schwiegertochter. Mit allen Mitteln versucht sie, Ursel zur Weißglut zu
bringen. Das gelingt ihr auch gut! Aber auch Ursel
setzt einen drauf und beichtet, dass ihr Vater Robert (Herbert Rau) ebenfalls einige Tage kommen
wird. Er ist auch der Einzige, der Gertrude
gewachsen ist. Auf seine eigene
charmante Art bringt er sie oft an den Rand der Verzweiflung. Robert selbst ist
voller Vorfreude auf das Treffen mit seiner Internetbekanntschaft. Und da gibt es noch
den Nachbarn Emil (Ecki Geisse), der mit 50 Jahren auch ein ausgeprägtes
Muttersöhnchen ist. „Schlafe immer bei Mama“ gibt er immer wieder von sich. Nun will er aber in der Pension, nicht sofort zu Hause vor den Augen seiner Mama, zum ersten Mal eine Internetbekanntschaft namens Ruth treffen und sie dann
seiner Mutter vorstellen. Emil hat seine
Traumfrau im „Pilger“, einer katholischen Zeitschrift, kennen gelernt. Emil
glaubt sogar, dass er nun endlich sein Problem - er grunzt beim Anblick einer
fremden Frau wie ein Schweinchen - im Griff hat. Ruth (Conny
Geisse) ist eine skurrile und schillernde Person und irritiert ihre Mitmenschen mit ihrem Lispeln und ihrem
unkonventionellen Auftreten. Aber der Kontakt
mit seiner Angebeteten erweist sich schwieriger als erwartet. Und auch für
Robert gibt es ein böses Erwachen als Ruth in sein Leben tritt. Auch Gertrude, die von sich glaubt,
alle Männertypen zu kennen, macht eine für sie unvergessliche Erfahrung. Aber am Ende hat die E-Mail doch noch
den richtigen Empfänger erreicht.
Eigentlich sollte man aus dieser Truppe niemand herausheben, denn alle waren
überdurchschnittlich gut und auch textsicher. Aber es muss ausnahmsweise Conny Geisse (Ruth) ein besonders dickes Lob und Anerkennung für ihre diesjährige Spitzenleistung ausgesprochen werden.
Apropos textsicher, von den beiden Souffleusen Angelika Rau und Gerlinde Betz
war erstere an diesem Abend im Dienst. Den Abend ins
rechte Licht setzte Dennis Geisse und die Maskenbildner waren wieder Traude und
Dirk Müh. Und den kompletten Kulissenabbau
schaffte das gesamte Team zwischen 23 und bis nach 1 Uhr.
Man
muss sich nicht wundern, wenn die fast lückenlosen Lachsalven noch Stunden nach dem Ende des Theaterabends aus dem
Gemeindehaus nachhallten. Wer nicht dabei war hat ein paar witzige und lustige
Stunden verpasst. Schade.
Ursel und Thomas möchten endlich
Urlaub machen und für Nachwuchs sorgen
Thomas Mutter Gertrude hält es nur
noch mit Alkohol aus
Emil ist an der falschen Adresse–
er hat ein Date mit Ruth nicht mit Gertrude
Auch mit allem Streben nach einem
Kuss – es ist die falsche Internetbekanntschaft
Alles hilft nicht es ist und
bleibt die Falsche
Aufs falsche Pferd gesetzt – so
kann es gehen
Das wäre für Emil die richtige
Ruth – nicht Gertrude
Auch Ruth irrt – das ist nicht ihr
Date mit Emil – das ist Robert
Das neben Emil, der
Hexenschuss-Ersthelfer für Robert, das ist die richtige Ruth
Applaus

Abbau
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